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14-Tage lang wanderten drei Experimental-Steinzeitler in jungsteinzeitlicher Kleidung und Ausrüstung auf den Spuren unserer Vorfahren quer durch NRW zu den drei Ausstellungsorten der Archäologischen Landesausstellung. Der Ötzi-Walk führte von Detmold über Herne bis zum LVR-LandesMuseum nach Bonn. Das Experiment greift das Schwerpunktthema der Landesausstellung auf, die eine der bedeutendsten Epochen der Menschheitsgeschichte beleuchtet. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Zeit, der „Ötzi", ist Namensgeber dieses ersten Steinzeit-Reiseexperiments in NRW.



Oetzi Walker 01

Die drei „Ötzi-Walker" – die Biologin und Fotografin Veronika Hocke, der Archäologe und Landschaftsführer Marco Hocke sowie der Pädagoge Lukas Heinen – ernährten sich in den beiden Wochen ihrer Wanderung weitestgehend aus der Natur und übernachteten im Wald. Dabei testeten sie die Funktionalität und Belastbarkeit archäologisch belegter Kleidungsstücke und Werkzeuge, die sie im Vorfeld des Experiments selbst angefertigt haben.

Hier der Reisebericht:

Tag 1: Start in Detmold
In Detmold gab es zunächst einmal eine Stärkung mit einem Steinzeit-Frühstück, dann ging es in Richtung Hermannsdenkmal. Die ersten 5 Kilometer wurde das Trio vom Wanderverein Teutoburger-Wald-Verein Lippe-Detmold e.V. begleitet. Das Wetter zeigte sich am 1. Tag bereits von seiner schwierigen Seite: Es regnete ohne Unterlass, was aber der Motivation der Ötzi-Walker überhaupt nicht schadete. Sie stapften tapfer durch die Regenmassen und erreichten ihr Ziel Oerlinghausen pünktlich. Dort gab es im Freilichtmuseum Oerlinghausen zum Glück erst mal ein Lagerfeuer (eine Seltenheit während der Reise). Jetzt heißt es Kleidung und Ausrüstung trocken!

Oetzi Walk Tag 1

Tag 2: Oerlinghausen
Um es einmal zusammenzufassen: Es schüttete weiterhin. Daher werkelten die Ötzi-Walker erst noch etwas an ihrer Ausrüstung. Es musste aufgrund der Wetterbedingungen ein bisschen nachgebessert werden. Der Tag brachte außerdem überraschenden Besuch von einer SAT1-Crew: Patrick tauchte für ein paar Stunden ins jungsteinzeitliche Leben mit ein. Und dann musste auch noch der Tonkrug, der als Wassergefäß dient, repariert werden. An diesem war ein Teil der Oberfläche abgeplatzt. Die Ötzi-Walker wussten sich aber zu helfen und reparierten das Gefäß ganz in jungsteinzeitlicher Art mit Birkenpech.

Oetzi Walk Tag2

Tag 3: Unterhalb des Hermannsdenkmals
Es hat aufgehört zu regnen! Die erste gute Nachricht. Und die Ötzi-Walker sind froh wieder aufbrechen zu können.
"Mit den Rucksäcken und Schuhen werden wir immer mehr zu Experten und wissen, wie wir beispielsweise mit den Schafsfellen den Rucksack so auskleiden, dass er nicht mehr so stark drückt." berichtet Lukas. Am Vormittag begleitete RTL West ein paar Kilometer die drei und abends kam nochmal Kolja vom WDR. Die Presse ist sehr interessiert an dem Reiseexperiment.
Sie sind gut vorangekommen und haben dann etwa 2 km hinter dem Hermannsdenkmal das erste Nachtlager im Freien aufgeschlagen. Windgeschützt und hoffentlich auch vor dem Regen, falls es wieder losgeht. Gut, dass sie die Felle dabei haben, denn in der Nacht soll es doch etwas kühler werden.

Oetzi Walk Tag 3

Tag 4: Unterwegs
Die gestrige Nacht war unheimlich kalt und dementsprechend etwas schlaflos für die Ötzi-Walker. Dafür war der Tag dann aber wunderbar sonnig. An den Externsteinen vorbei haben sie ganze 20 km geschafft. Ein Bad im Silberbach war sogar auch noch möglich.
Reisevideo


Tag 5: Bad Driburg
So langsam aber sicher macht sich die ungewohnte Ausrüstung bemerkbar. Wie im WDR Lokalzeit-Beitrag zu sehen leiden besonders die Füße und der Rücken. Aber die Ötzi-Walker lassen sich nicht unterkriegen. Neue Nachtlager werden gesucht, es wird weiter gewandert auch wenn der nächste Bach an diesem Tag hat lange auf sich warten lassen. Ach ja und jede Pause in der Sonne wird ausgiebig genossen.

Oetzi Walk Tag 5

Tag 6-7: Neuenheerse und Felsenberg
Lukas berichtet von den Erlebnissen an Tag 6: „Am Anfang des Tages begleiteten uns Florentine und Bernd von der dpa. Es war ein schöner Vormittag und wir trennten uns bei warmem Sonnenschein. Mit Tieren kommen wir nicht so gut klar. Ponys, Hunde und Katzen nehmen uns streng in Augenschein bevor sie misstrauisch davonlaufen. Wir haben uns verlaufen, jedoch entlohnte uns ein Weiher bei Neuherse mit kühler Frische. Wir sind etwas erschöpft, unser Vorrat aufgebraucht und Wasser gibt es nur selten. Doch wir bleiben guter Dinge und freuen uns über den warmen Abend."

Oetzi Walk Tag 7

An Tag 7 wurde erst einmal vernünftig ausgeschlafen und es ging erst um 10:30 Uhr weiter. Aber das musste auch mal sein. Die Wanderung geht ganz schön in die Beine. Erstaunlich gut kamen sie voran und das Wandern lief zeitweise wie von selbst, wie Veronika bemerkt. Dazu trug aber auch der wirklich schöne Wanderweg bei. „Den Eggeweg werden wir bestimmt nochmal mit normaler Wanderausrüstung gehen, so gut hat er uns gefallen.", sagt Marco. Leider gab es wenig Quellen und Flüsse, so dass sie sehr wenig Wasser fanden und einmal auch eine Waldpfütze nutzten, um den Durst zu stillen. Schließlich erreichten sie aber ihr Tagesziel nach 25 km am Felsenberg.

Tag 8: Herne
Halbzeit bei den Ötzi-Walkern. Über 180 km sind geschafft. Die Ötzi-Walker kamen leicht erschöpft aber glücklich in Herne zum Steinzeittag am LWL-Museum für Archäologie an. Sie wurden von der stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung (Monika Schnieders-Pförtzsch) begrüßt und es gab vieles zu erzählen - ihre ersten Erfahrungen von der Reise; die Schwierigkeiten mit dem Wetter und der Ausrüstung, aber auch die schönen Seiten. Die Besucher konnten sogar die Rucksäcke anprobieren und testen, wie schwer und bequem diese wirklich sind. Es wurde mit Steinzeit-Werkzeug experimentiert und Steinzeit-Essen gekocht.
Am späten Nachmittag ging es dann weiter in Richtung Bochum, wo die Wanderer schon wieder Schutz suchen mussten vor dem Regen.

Oetzi Walk Tag 8

Tag 9 und 10: Erster Streckenrekord - 30 km!
"Heute haben wir den Rekord geschafft! Von unserem Lager in Bochum sind wir am Morgen schon um 7 Uhr aufgebrochen. Bevor der Regen kommen sollte, wollten wir eine gute Strecke zurücklegen. Am Wochenende konnten wir unseren Reiseproviant auffüllen: Wir haben nun einige Äpfel, Haselnüsse, etwas Honig, Brot und Schafskäse dabei. Dadurch sind die Rucksäcke wieder schwerer, aber mit vollem Magen konnten wir heute einen Rekord von 30 km schaffen. Morgen werden wir weiter nach Süden wandern und das Ruhrgebiet verlassen. Für heute Nacht haben wir einen geschützten Schlafplatz in der Ruine einer ehemaligen Zeche gefunden.

Oetzi Walk Tag 9

Morgen werden wir wieder in Waldgebieten unterwegs sein, worauf wir uns sehr freuen. Für Freitag oder Samstag planen wir in Köln anzukommen."
Am nächsten Tag (Tag 10) ging es wieder ein ordentliches Stück weiter. Sie sind sogar bis Wintergarten bei Schwelm gekommen.

Tag 11: Lennep
Am 11. Tag kamen die Ötzi-Walker bis Lennep. Aber die Stimmung ist ein wenig auf dem Tiefpunkt, denn es ist schon wieder Regen angesagt. Die Nacht über blieben sie in einer Schutzhütte für Wanderer – "Autobahn und Mücken inklusive". Die Knochen schmerzen etwas, der Boden ist hart – so eine Isomatte ist doch ganz praktisch normalerweise – und die Nächte sind eher kalt.

Oetzi Walk Tag 11

Tag 12: Lennep, Lüttringhausen
Es regnet! Vielmehr schüttet es! Es gibt kein Weiterkommen. Die Ötzi-Walker bleiben vorerst in der Schutzhütte, alles andere wäre auch Wahnsinn. Die Ausrüstung darf nicht noch einmal komplett durchnässt werden, wie am ersten Tag. Jetzt bei den empfindlich kalten Nächten wäre das zu gefährlich. Daher richten sie sich für den Regentag erstmal in der Wanderschutzhütte ein. Einzige Abwechslung an diesem deprimierenden Tag bringen Spaziergänger mit Hunden und natürlich die Presse.

Tag 13: Altenberg
Endlich geht es weiter. Der Tag gestern war lang, kalt und ungemütlich. Aber heute sind die Ötzi-Walker bis kurz vor Altenberg gekommen. Lukas berichtet: "Schade, der gestrige Tag fehlt uns, sonst hätten wir es nach Köln geschafft. Wir freuen uns jedoch endlich wieder auf Waldboden, ohne Schutzhütte und unter freiem Himmel nächtigen zu können.Wir haben eine schöne Nachtstelle im Wald gefunden, konnten uns im Bach erfrischen und unser Wasser auffüllen, in der Sonne wieder Kraft tanken. In Wermelskirchen war es ganz nett. Der Generalanzeiger Bonn war da und es gab viele Menschen, die Fotos mit uns machen wollten. So auch Ali aus Bangladesh."
Inzwischen kennen die Menschen die Ötzi-Walker schon aus Presseberichten und sind begeistert, wenn sie sie treffen. Jede Menge Fragen müssen sie beantworten. :)
Haltet durch, bald ist es geschafft.

Tag 14: Köln
Mit Applaus wurden die Ötzi-Walker am Römisch-Germanischen Museum Köln begrüßt. Schon kurz bevor sie den Rhein über die Hohenzollernbrücke überquerten wurden Fotos mit Interessierten gemacht und natürlich jede Menge Fragen beantwortet. Nach dem Pressetermin im Museum ging es dann weiter entlang des Rheins und dort am Ufer wurde auch das letzte Nachtlager in Höhe Wesseling aufgeschlagen.

Tag 15: Bonn
Sie haben es geschafft! Am Sonntag um 14:45 Uhr trafen die Ötzi-Walker bei uns am Museum ein. Bei 33 Grad war das letzte Stück durch die Stadt und auf Asphalt doch noch ein wenig anstrengend, aber das Ziel war ja in Sicht.
Sie kamen gesund und munter hier an. Außer Blasen an den Füßen ist keiner krank geworden. Lautstark begrüßten die Familie, Organisatoren und Besucher die drei. Begleitet wurden sie auf dem letzten Stück noch von einem Team der WDR Lokalzeit.

Oetzi Walk Ankunft Bonn

AUSSTELLUNG DETMOLD
2.7.2016 - 26.2.2017
ÖFFNUNGS­ZEITEN
Di-Fr 11-18 Uhr
Sa, So und Feiertag 11-18 Uhr
Geschlossen:
24., 25., 31. Dez., 1. Jan.
EINTRITTS­PREISE
Erwachsene: 7,00 €
Familienkarte: 14,00 €
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: 2,00 €
Ermäßigt: 4,00 €
Schulklassen / Person: 1,00 €
KONTAKT
Lippisches Landesmuseum Detmold
Ameide 4
32756 Detmold
Tel.: 05231 / 99250
Fax: 05231 / 9925-25
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www.lippisches-landesmuseum.de
LAGE / ANREISE
AKTUELLER STANDORT
Lippisches
Landesmuseum
DETMOLD
2.7.2016 - 26.2.2017
DIE TRÄGER:
MIT FREUNDLICHER
UNTERSTÜTZUNG: